Mein täglicher Blog vom 5.11.2020 – Keine Zeit?

Aus meinen vielen Gesprächen mit Unternehmern habe ich den Eindruck gewonnen, dass die wichtigsten Wörter, die ein Unternehmer verwendet, folgende sind: “Dazu habe ich keine Zeit; ich muss mich um das Alltagsgeschäft kümmern“.

Doch was verbirgt sich wirklich dahinter? Tatsächlich keine Zeit? Oder nur ein Vorwand, um sich nicht mit bestimmten Angelegenheiten zu befassen? Oder nur eine falsche Prioritätensetzung?

Dass ein Unternehmer sich mit vielen Fragen und Aufgaben befassen muss, liegt wohl klar auf der Hand. Doch ebenso ersichtlich wird auch die Tatsache sein, dass er diverse Aufgaben abgeben, delegieren oder ganz einfach sein lassen kann. Aber man wird nicht überrascht sein, dass der Unternehmer dieses Ein- oder Neusortieren von Aufgaben mit der Aussage unterlässt, er habe dafür keine Zeit. Wir fühlen uns an die Geschichte vom Waldarbeiter erinnert, der vor lauter Erschöpfung und aufgrund stumpfer Werkzeuge nichts zustandebringt oder wir denken an den Schäfer, der keinen Stall oder Zaun baut, weil er seine Schafe immer wieder einfangen muss.

Der Unternehmer, der so handelt, ist nicht bereit seine Prioritäten neu zu setzen. Nun können wir ja sagen, dass ist erstens menschlich und zweitens, es ist ja sein Unternehmen. Dass wir alle dazu neigen, bestimmte Tätigkeiten z.B aus Gewohnheit zu unterlassen, ist wohl selbstverständlich. Doch kann man das dem Unternehmer so durchgehen lassen? Zunächst könnte ja behauptet werden, es wäre ja sein Unternehmen und das wäre allein seine Angelegenheit. Zwar ist das insoweit richtig, dass er ja Eigentümer seines Unternehmens ist, doch es hängen viel mehr Leute an dem Wohl des Unternehmens als zunächst vielleicht gedacht.

Da wären die Familienangehörige des Unternehmers, die Mitarbeiter und ihre Familien, Lieferanten, Banken; selbst die Kunden wären betroffen, wenn nicht alles zum Erhalt und zum Wohle des Unternehmens getan würde.

Stellt man sich aber vor, das Unternehmen würde in der Rechtsform einer GmbH oder Aktiengesellschaft betrieben werden, so bekommt das Argument vom Eigentum des Unternehmers immer weniger Gewicht, da jetzt auch Anteilseigner betroffen wären.

Manche Berater gehen in ihrer Argumentation für eine wirtschaftliche Verpflichtung des Unternehmers zur neuen Prioritätensetzung zum Wohle des Unternehmens soweit, dass sie eine tatsächliche oder fiktive Person einsetzen, die als eine Art Treuhänder die Rechte eines noch nicht bekannten Nachfolgers zu Gunsten des Unternehmens und der richtigen Maßnahmen wahrzunehmen hat.

Diese Gedanken halte ich für richtig. Denn, wenn das Unternehmen für den Unternehmer das Herzblut bedeutet, dann darf er auch nichts unternehmen, was dem Unternehmen schaden könnte.

Auch wenn das Ende der aktiven Zeit für den Unternehmer auch ein Ende bedeutet, das Unternehmen wird in vielen Fällen eine andere Lebensdauer als diese Zeit haben! Darum: Aufgaben abgeben, delegieren oder einfach nicht erledigen, weil sie für das Unternehmen keine Bedeutung haben!

Auch bei diesen Tätigkeiten unterstüzen wir unsere Mandanten gerne.